Mädchen von Capri - nur ein Mädchen?

Auf einer unseren zahlreichen Busreisen besuchten wir die Provinz Neapel. Hier standen Ausflüge zu den für diese Region (Kampanien) typischen Sehenswürdigkeiten auf dem Programm. Die Stadt Neapel, die Insel Ischia, der Vesuv, die Stadt Formia und natürlich die Insel Capri.

Unsere Reiseleiterin, ursprünglich aus Südtirol, war nur auf ihren Vorteil bedacht. Ehrlich gesagt, so eine Schnorrerin habe ich noch nie gesehen. So mietete sie auch das billigste Boot um in eine Grotte zu fahren, die nicht einmal die "Blaue Grotte" war. Hätte unser Busfahrer Harald mich nicht festgehalten, wäre ich wahrscheinlich aus dem Boot gefallen. Ich glaube meine Mutter hat noch nie so viel Angst gehabt, wie da.

Danach führen wir mit einem Kleinbus hinauf in den Ort "Anacapri". Dort aß ich zunächst eine Pizza wie es um Neapel herum üblich ist, also eine einfache "Pizza Magaritta". So eine einmalige Tomatensauce hatte ich vorher noch nie gegessen. Anschließend spazierten meine Mutter und ich hinauf zur "Villa Munthe" (Haus eines schwedischen Schriftstellers). Aber der Weg dorthin war so überfüllt mit Touristen, dass wir auf halben Wege umkehrten.

Wir gingen vom Hauptplatz aus, eine kleine Seitenstraße hinunter. Mein Mutter sagte: "Ich gehe mal eben Briefmarken holen." Wie vielleicht bekannt ist, bekommt man in Italien Briefmarken in einem "Tabakladen". Dieser war natürlich nicht barrierefrei, sondern hatte mehrere Stufen.

Also stellte meine Mutter mich auf der Straße ab und ging allein in den Laden. Während ich dort mit meinem Rollstuhl stand, kamen zwei junge Mädchen vorbei, lächelten und schauten im Vorbeigehen noch zurück. Nach ein paar Augenblicken kamen die beiden Mädchen wieder die Straße hinauf, ich stand immer noch alleine dort. Lächelnd schauten sie und sagten: "Ciao", ich lächelte und grüßte freundlich zurück. Als ich bei mir dachte, man müsste öfter mal alleine irgendwo stehen, kam meine Mutter aus dem Laden und wir gingen wieder in Richtung Hauptplatz. An der Ecke zwischen der Straße und Hauptplatz stand ein ganzes Rudel junger Mädchen, mitten drin die beiden, die ich eben getroffen hatte.

Wir unterhielten uns ein wenig. Sie fragten mich wo ich her sei, ich antwortete auf Italienisch: "Io tedesco" (Ich komme aus Deutschland). Ich erführ, dass die Mädchen aus Calabrien, also vom Ende des italienischen Stiefels kamen.

Nach dem wir weiter gingen, sagte meine Mutter: "Dich kann man keine zwei Minuten alleine lassen und schon hast du irgendwelche Mädchen hinter dir hängen."

Einige Mitreisende schauten und fragten: "Was war denn das, das war ja eine halbe Klasse einer Mädchenschule." Und der Fahrer Harald meinte: "So etwas habe ich noch nie erlebt, dass jemand von so vielen jungen Mädchen umringt ist."

Fazit: Es gibt auch Situationen, in denen es ein Vorteil sein kann, wenn etwas nicht barrierefrei ist.

Diese Seite wurde nach Standards der W3C gestaltet.

Zurück